Samstag, 19. Dezember 2009

Eine Weltkarte für alle

von Simon Argus

Es ist ein bisschen wie bei Wikipedia: Jeder malt an der großen Weltkarte mit und am Ende wird sie trotzdem erstaunlich akkurat. So funktioniert "Openstreetmap", eine online-Karte die ausnahmsweise nicht urheberrechtlich
geschützt ist, und deren Daten jeder gerne benutzen darf.


View Larger Map

Openstreetmap ist für Geographen eine echte Bereicherung: Nicht nur kann sich hier jeder mit wenigen Maus-Klicks als echter Kartograph fühlen. Die Karte kann auch in verschiedenen Formaten für die Verwendung beispielsweise in GIS-Programmen exportiert werden. Und das - anders als etwa bei Google-Maps - ganz ohne urheberrechtliche Beschränkungen. Außerdem lassen sich die eigenen GPS-Tracks auf Openstreetmap anzeigen.

Die Bearbeitung der Karte ist denkbar einfach: Wechselt man in den "Edit"-Mode erscheint ein Hintergrund-Satellitenbild auf dem man mit einfachen Zeichenwerkzeugen Linien, Punkte und Flächen malt, die später als Straßen, Häuser oder Landnutzungen definiert und beschriftet werden (vergl. Abbildung: Die Arbeitsoberfläche von Openstreetmap). Dies geschieht live - fast ohne Verzögerungen lassen sich die Ergebnisse Internet-weit bestaunen.

Ganz wie bei Wikipedia gibt es also niemanden, der für die Richtigkeit der Karten bürgen kann. Aber auch ähnlich wie bei Wikipedia erscheinen die Karten trotzdem recht präzise. Das Kartenbild ist allemal schöner als das von Google-Maps. In Mainz lassen sich beispielsweise auch Straßenbahnlinien schon von Weitem erkennen, die öffentlichen Gebäude heben sich schöner vom Hintergrund ab.

Ungenauigkeiten lassen sich dennoch finden: Die übermütigen Hobby-Kartographen haben dem Frankfurter Flughafen schonmal ein weiteres Terminal verpasst, welches wohl noch einige Zeit auf seine Verwirklichung warten lassen wird. Die Formen der Gebäude sind nicht immer akkurat und auch generell sollte vor der Verwendung einer solchen Karte immer ein vergleichender Blick auf ein "professionelles" Kartenwerk erfolgen.

Aber obwohl es sich leider nur um eine Straßenkarte handelt - sie verspricht doch erheblich mehr Freiheiten in ihrer Verwendung - und das eigene Studenten-Wohnheim auf die Weltkarte zu setzen macht auch großen Spaß.

Link: hier gehts zu openstreetmap.org

Montag, 7. Dezember 2009

Erwartungen an einen Gipfel

von Simon Argus

Heute hat die Klimakonferenz in Kopenhagen begonnen - doch was erwarten wir eigentlich davon?

Was wäre ein Erfolg für die Klimakonferenz in Kopenhagen? Wenn sich alle Staaten auf möglichst drastische Reduktionen ihrer CO2 Emissionen einigten? Leider bedeutet ein Versprechen eines Staates nicht, dass dieses auch so umgesetzt wird. Schon rein technisch ergeben sich große Probleme bei der Einhaltung der Klimaschutzziele - eine Frau Merkel oder ein Herr Sarkozy können natürlich versprechen den CO2-Ausstoß um 80% zu reduzieren - nur einhalten werden sie es wohl kaum können.

Das heißt nicht, dass das festlegen ambitionierter Ziele nicht wichtig ist. Aber es kann auf keinen Fall alles sein. Damit China seine CO2 Emissionen verringert bedarf es der Hilfe anderer Staaten. Als Konsumenten sind wir schließlich hier in Europa für Chinas Emissionen mitverantwortlich. Gleichzeitig verfügen wir über Umwelt-Technologien, an denen es in vielen Schwellenländern fehlt. Es geht also um internationale Zusammenarbeit, Arbeitsteilung wenn man so will.

Deutschland beispielsweise hat viel Geld in Solartechnik investiert. Mit Steuergeschenken und Subventionen wurde diese zunächst ineffiziente Technologie gepäppelt um sie eines Tages tatsächlich konkurrenzfähig zu machen - konkurrenzfähig nicht gegen die Solartechnik anderer Staaten, sondern gegen andere Technologien - resourcenverschwendende und CO2-emittierende Technologien des vorigen Jahrhunderts. Aber es wäre nun falsch diesen Technologievorsprung - so teuer er auch war - nur den Deutschen zugute kommen zu lassen. Diese Technologie wird weltweit in einem gemeinsamen Kampf gegen den menschgemachten Klimawandel gebraucht. Hier geht es also auch darum, über den eigenen Schatten zu springen und die Chinesen, Inder, Brasilianer oder sonstwen eben doch in die eigenen Karten schauen zu lassen.

Es geht also um handfeste Projekte der internationalen Zusammenarbeit. Technologietransfer ist aber nicht das einzige: Es bedarf internationaler Umwelt-Standards, damit die westlichen Industrien nicht mehr in Europa den Saubermann spielen können, während sie dafür in Afrika die Umwelt zerstören, da sie ihre schmutzigsten Produktionsstätten in Länder ohne Umweltgesetzgebung verlegen. Es geht in Kopenhagen nicht darum sich einmal zu treffen, neue Ziele zu definieren und dann wieder zu Hause allein weiter zu machen. Es geht vielmehr um eine neue übernationale Instanz, die dauerhaft und kontinuierlich an einem Wandel in der globalen Umweltpolitik arbeiten muss.

Die Skeptiker waren sich von Anfang an einig: Kopenhagen wird kein Erfolg. Deshalb waren vor Beginn der Konferenz warnende und pessimistische Töne weltweit zu hören. Nun hat beispielsweise Barrack Obama seine Pläne geändert und wird auch bei den wichtigen Abschluss-Verhandlungen am Tisch sitzen. Die Politik will diese Konferenz doch noch als einen Erfolg verkaufen - Obama setzt da ein Zeichen und auch die Bundesregierung gibt sich kämpferisch. Doch der Beobachter muss wachsam bleiben: Nicht alles, was am Ende als Erfolg verkauft wird, ist auch ein Erfolg: Die Einigung auf ambitionierte CO²-Reduktionen allein ist lediglich Augenwischerei. Es würde zwar die skeptischen Töne von vor der Konferenz widerlegen und damit um so positiver wirken. Würden wir uns aber damit zufriedengeben und danach die Sache auf sich beruhen lassen, wäre der Klimagipfel von Kopenhagen ein großer Misserfolg - eine Beruhigungspille, die uns erst spät erkennen lässt, dass Angela Merkel den CO2-Ausstoß nicht per Dekret reduzieren kann.

Eine Karte mit den Brennpunkten des Klimawandels. Diese Karte soll im Laufe der Zeit erweitert werden um ein möglichst umfassendes Bild der Lage zu erzeugen.


Klima-Karte auf einer größeren Karte anzeigen

Bilder: Gipfelbeginn in Kopenhagen. www.guardian.co.uk

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Ein Augenzeugenbericht: Putsch und Neuwahlen in Honduras

Von Eva Jünemann und Mario Mejia

Der Putsch im Juni dieses Jahres stürzte Honduras in eine schwere innenpolitische Krise: Ausnahmezustand mit Ausgangssperren und Einschränkung der Pressefreiheit, Demonstrationen, Manifestationen, Bombenattentaten und gewaltsamen Übergriffen seitens der Polizei auf Demonstranten in der Hauptstadt Tegucigalpa.

Was für Auswirkungen hat der Putsch auf die Bevölkerung und das Alltagsleben, wie ist die Stimmung im Land und was hält man von dem Wahlergebnis des letzten Wochenendes? Der gebürtige Honduraner Mario Mejia ist 26 Jahre alt, lebt in der Stadt La Ceiba und arbeitet dort für eine lokale NGO. Er gibt uns Einsicht in seine Erfahrungen und Einstellungen gegenüber der politischen Geschehnisse in seinem Land.

Hintergrund: Manuel Zelaya der Liberalen Partei Honduras wurde 2006 zum Staatspräsidenten gewählt. Ende Juni 2009 wurde er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von der Armee aus dem Land geflogen und von seinem Parteikollegen Roberto Micheletti ersetzt. Hintergrund für den ersten Putsch in Lateinamerika seit 16 Jahren war der Versuch Zelayas, sich über eine Verfassungsänderung eine weitere Amtszeit zu sichern. Ende September schlich sich Zelaya wieder in sein Land und sitzt seitdem in der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa fest. Honduras befand sich seit dem Putsch in einer schweren innenpolitischen Krise. Am vergangenen Sonntag waren Neuwahlen, bei denen weder der gestürtze Präsident, noch der Putschpräsident Micheletti zur Wahl standen. Als Sieger ging der konservative Oppositionskandidat Lobo hervor.

Mit dem Putsch war der Frieden und der Zusammenhalt der Dörfer dahin, die seit den Zeiten von Francisco Morazán bestand. Michelleti hat dieses Bündnis der Liebe und des Friedens zerstört, so dass es zwischen Freunden, Familien und Arbeitskollegen Konflikte gibt, denn mit dem Putsch wurde das Land zerteilt in diejenigen, die den Putsch unterstützen und diejenigen, die ihn nicht unterstützen.

Die Putschregierung unterdrückte uns. Man konnte seine Meinung nicht frei artikulieren und auch Radio- (Radio Progreso, Radio Globo) und Fernsehsender sendeten nichts mehr. Aber wirkliche Gewalt gab es eigentlich nur in der Hauptstadt Tegucigalpa, jeder der demonstrieren wollte fuhr dorthin, aber Ungerechtigkeit gibt es im ganzen Land.

Der Putsch war für alle sozialen Ebenen in Honduras schlimm, besonders hart hat es die Mittel- und Unterschicht getroffen. Tausende verloren ihre Arbeit. Besonders die, die vom Tourismus leben oder Organisationen, die über internationale Institutionen finanziert werden, erlebten Einbrüche. Wer will schon in ein Land reisen, das in einer politischen Krise ist und welche Regierung arbeitet mit einer Putschregierung zusammen?

Mich persönlich haben besonders die Ausgangssperren seitens der Putschregierung betroffen. Wir konnten uns nicht frei bewegen, wir waren quasi Gefangene in unseren eigenen Häusern.
Um die internationale Gemeinschaft davon zu überzeugen, dass die Wahlen legitim abgelaufen sind wurde behauptet, dass die Wahlbeteiligung 62% beträgt. Aber im Land gibt es Stimmen, dass sie deutlich darunter lag. Der gesamte Wahlprozess war für mich nicht wirklich transparent und ich wünschte Zelaya hätte zur Wiederwahl gestanden.

Bild: Mario Mejia

Im Internet zum Thema: auf Spiegel online (mehr...), beim Informationsdienst Wissenschaft (idw) (mehr...), bei lateinamerikanachrichten.de (mehr...), und in der honduranischen Presse bei Tiempo (mehr...).